Christian Dössel

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Olympiamilano – Herausforderungen an zeitgemäße Marktforschung

Archive for the ‘Relevanz’ Category

Rückblicke der ernstgemeinten und nicht-ernstgemeinten Sorte #2

Freitag, Dezember 23rd, 2011

“Wie viel NextGen MaFo steckt in mir?”

Was haben wir nicht alles gelernt wieder mal dieses Jahr.

Die NextGen MaFo hat ihre Kreise gezogen und Social Media ist weiter marschiert, auch in unsere beruflichen Gefilde.

Manchmal hat man das Gefühl, dass alles anders werden muss. Ist ja auch so, ein bisschen jedenfalls. Wenn auch anders als man uns manchmal glauben lassen will.

Aber, was ein echter NextGen Marktforscher (m/w) sein will, der muss schon was geleistet haben in 2011.

Olympiamilano hat sie nun, die ultimative Checkliste für die Standortbestimmung als NextGen MaFo Kollege oder Kollegin.

Macht hier den Test.

Als Preis für den oder die Besten gibt es kein iPad 2 zu gewinnen.

#1 “Ich habe ein T-Shirt mit dem Aufdruck “Repräsentativität ist so 90er”

#2 “Ich kann die Unterschiede der Strukturdaten der Nutzer von Facebook und google+ gefragt aber vor allem ungefragt runterbeten, wenn es sein muss auch im Schlaf”

#3 “Ich habe mehr als 10 Freundschaftsanfragen auf Facebook von meinen ehemaligen MROC-Probanden erhalten”

#4 “Ich bin Foursquare Mayor der BVM Geschäftsstelle”

#5 “Ich habe mindestens 3 Mitgliedsanfragen von LinkedIn-Gruppen zur “Strategischen Planung” erhalten, und sie alle abgelehnt”

#6 “Ich habe mindestens 10 selbst erstellte Polls in meiner Facebook-Timeline”

#7 “Ich habe mindestens einen Tweet abgesetzt mit dem Inhalt “…had an overwhleming meeting with curious client, so much to improve” oder so ähnlich”

#8 “Ich habe ein Unterarm-Tattoo machen lassen, verschnörkelte Schreibschrift, “Zuhören ist das neue Fragen”

#9 “Ich habe auf XING mehr Einladungen zu MaFo-Gruppen bekommen als unnötige und zwielichtige Vertriebsversuche”

#10 “Meine Surveys bei limesurvey sind so schnell und günstig, da fällt es auch nicht auf, dass ich die falschen Leute befragt habe.”

Schöne Feiertage und alles Gute für 2012!

Traumhafte Marktforschung – ROI wird zum “Return on Insight”

Mittwoch, Oktober 26th, 2011

Letzte Woche hatte ich einen ungewöhnlichen Traum. Ich war in der Zukunft der Marktforschung gelandet. Die Marktforschungswelt hatte sich verändert, alles war anders. Vieles in dem Traum machte aus heutiger Sicht keinen Sinn. Aber über eine Sache aus dem Traum musste ich doch länger nachdenken.

Ähnlich wie heute war der ROI eine zentrale Größe für die Beurteilung und Einordnung von Erfolg. Dass es grundsätzlich nicht einfach ist, den ROI als Return on Invest für Marktforschung zu bestimmen ist nicht zuletzt durch diesen Beitrag klar.

Es war in meinem Traum jedoch so, dass weitaus mehr Marktforschungsaktivitäten von den Kunden anhand von ROI-Betrachtungen bewertet wurden. Wie konnte das sein? Wie haben sie das Problem der Definition, die interindividuell eindeutig Bestimmung gelöst?

Es dauerte nicht lange, bis ich merkte, dass ROI nicht für Return On Invest sondern für Return On Insight stand.
Was war passiert?

Zentrale Veränderungen der Marktforschungsbranche, wie wir sie heute schon beobachten und erahnen können, hatten sich in konkreten neuen Anforderungen und Geschäftsbereichen manifestiert.

Die Kunden von Marktforschungsleistungen waren nicht mehr bereit, teure und hochspezialisierte externe Dienstleister und Service-Einheiten (hoch) zu bezahlen. Die Knappheit von Informationen über Märkte und Marktteilnehmer war immer geringer geworden, der Wert der aufwändigen Beschaffung dieser Informationen war schnell und kontinuierlich gesunken.

Das meiste und wichtigste für die Unternehmen war über intelligente Social Media Monitoring Ansätze und Fortschritte in der DIY-Marktforschung ohne großes Invest einfach zugänglich. Die Institute, die sich auf die Beschaffung von Informationen fokussiert hatten, waren in einer negativen Relevanz- und damit Income-Spirale nach unten geraten, bis sie keine Daseinsberechtigung mehr hatten. Qualität, Effizienz, Methodik und nicht zuletzt Preis waren zuletzt Argumente gewesen, in denen sich die Institute nicht mehr voneinander zu unterscheiden wussten. Folgerichtig war der Invest, den die Auftraggeber an die Marktfoschungsdienstleister für die Erhebung von Daten und Informationen ausgegeben haben, verschwindend gering geworden.

Dennoch war die Branche nicht vom Erdboden verschwunden, sie hatte sich aber deutlich verändert.
Die zentrale Währung für die Leistung von Marktforschungsdienstleistungen war der Insight geworden
. Die Generierung von Insights hatte sich dabei von der Wertschöpfung der Datengewinnung losgelöst, diese war bei den beauftragenden Firmen re-integriert. Zentrale Kompetenz war die Zuweisung von Bedeutung geworden. Und für die wurde viel und gerne gezahlt.

Was mir vor allem gut gefallen hatte war die Tatsache, dass die Auftraggeber den Return on Insight in ihre Bezahlung als flexiblen Bestandteil aufgenommen hatten.
Nur, wer in der Lage war, Insight zu liefern, die den unternehmerischen Erfolg der Auftraggeber positiv beeinflussen, bekam den flexiblen Teil des Honorars.

Ich bin mir sicher, dass ein Return on Insight für Marktforschung ebenso schwierig zu bestimmen ist  wie ein Return on Invest. Aber ich bin mir auch sicher, dass die Beurteilung unserer Leistungen durch unsere Kunden an einem Return on Insight zukunftsweisend ist. Denn dadurch würden wir gezwungen werden:

- unser Silodenken aufzugeben,
- mehr über Marketing und Werbung wissen zu wollen,
- weniger an Handwerkskunst und mehr an Relevanz zu glauben und
- letztendlich gerüstet sein für die Zukunft.

Wir selber haben es noch nicht versucht, einen Teil des Honorars als flexiblen Anteil zu vereinbaren, je nach Return on Insight. Auch, weil die Auftraggeber sich hier noch schwer tun.

Aber wir denken darüber nach, und wer weiß, vielleicht ergibt es sich bald, dass wir uns mit einem Kunden auf ein zukunftsfähiges Modell einlassen.

Die Methode der Beobachtung und ihre Bedeutung für Innovationen

Mittwoch, August 31st, 2011

Es ist schon ziemlich lange her, dass Paul Lazarsfeld, Begründer der modernen empirischen Sozialforschung, mit der mittlerweile zum Ausbildungsstandard unserer Profession gehörigen Studie über die Arbeitslosen von Marienthal gezeigt hat, wie mächtig beobachtende Verfahren sein können. Soziographie war damals das Schlüsselwort.

http://www.flickr.com/photos/william_veerbeek/3544115018/

Heute sieht es mir so aus, als seien beobachtende Verfahren innerhalb der Marktforschung auf dem Vormarsch. Vor allem die in jüngerer Zeit verstärkt zum Einsatz kommenden qualitativen Online-Methoden wie z.B. Netnography / Social Media Monitoring können hier als Beispiele genannt werden.

 

Der Einsatz dieser Methoden zieht seinen berechtigten Nutzen nicht nur aus der Generierung von Insights. Auch für das Innovationsmanagement werden diese beobachteten Verfahren immer wichtiger. Das liegt zum einen an der Natur von Innovationen zum anderen an der – jahrelang nur wenig berücksichtigten – Kraft der Beobachtung.

Von der modernen Verhaltensökonomie bis zu einem der am häufigsten eingesetzten Methoden der Gruppendiskussionen, die Beobachtung bringt neue Einsichten, Perspektiven und Gedanken hervor. Der Einsatz von Beobachtungen hat sich in meiner Erfahrung bei Studien stets bewährt.

Insbesondere beim Innovationsprozess habe ich die Erfahrung gemacht, dass sich diese Verfahren ideal mit anderen Methoden kombinieren lassen. So ist ein Social Media Monitoring Ansatz als Vorstufe und Input-Geber für eine Konsumenten-Studie ideal einsetzbar. Desweiteren habe ich gemerkt, dass die Kombination von asynchronen Methoden (z.B. Community Research) mit synchronen Elementen (z.B. Chat) eine hohe Dichte an Informationen liefern kann.

Für eine zeitgemäße Auffassung von Innovationen ist es wichtig, sowohl Prozesse als auch Umgebungen zu etablieren, die den Ideen-Prozess unterstützen.

Und das ist keine so leichte Aufgabe.

Zwar haben sich auch hier beobachtende Verfahren bewährt, denn Konsumenten sagen nicht, was sie denken, denken nicht, was sie fühlen, usw. usw. usw. (ein alt bekanntes Dilemma). Nein, auch der Faktor “Zeit” ist zu berücksichtigen.
Ich merke immer wieder, dass man ausreichend Zeit benötigt, um beobachtende Verfahren zielführend in den Innovationsprozess und die Ideenfindung zu integrieren. Zeit ist jedoch ein Gut, was nicht erst in Zeiten von “always on” knapp ist.

Auch wenn die “research reality” oft anders aussieht…

1. Ideen fallen nicht vom Himmel. Es braucht Zeit, bis aus Ahnungen, Bauchgefühl und interessanten Gedanken Ideen entstehen (und manchmal entstehen auch keine Ideen daraus). Die Kombination von unterschiedlichen Ahnungen, der Vergleich von neuen und alten Gedanken benötigt ebenfalls Zeit.

2. Die Vernetzung und Verbindung von Ahnungen und Gedanken unterschiedlicher Menschen ist fast immer ein positiver Katalysator. Im Rahmen internationaler Researchs hat es sich bewährt, wichtige Ahnungen, Gedanken und Hypothesen aus den Ländern sofort auszutauschen und zu bewerten. Das Aufsparen der Analyse für das Ende des Projekts ist nicht immer ratsam.

3. Die Mischung macht’s. Gute Ideen stammen nicht nur aus einer Vielzahl von Perspektiven sondern aus einer Vielzahl UNTERSCHIEDLICHER Perspektiven.

Das sind Herausforderungen, die manchmal mit den Timelines von Projekten nichts zu tun haben. Auch das ist ein Learning. Und auch das hat Gründe, aber dazu ein anderes Mal mehr…

Schnell, billig, gut… Das sind ja gleich drei Wünsche auf einmal…

Montag, Juni 27th, 2011

Und noch ein paar Gedanken zur Positionierung der Marktforschung

Aufbauend auf der Kolumne von Oliver Tabino von Q und meinem Kommentar zu den Implikationen der fehlenden Positionierung der Marktforschung geht es heute weiter.

Ich habe endlich mal Zeit gehabt, mir den GreenBook Research Industry Trends Report genauer anzuschauen.
Auch wenn die Mehrzahl der Ergebnisse von US-amerikanischen Teilnehmern stammt, macht es Sinn sich das mal anzusehen. New York und San Fransico sind auch für unsere Branche “Trendmetropolen” (so schwer das auch vorstellbar ist) mit Nachahmungspotenzial in Europa im Allgemeinen und in Deutschland im Speziellen…

Der Pessimismus ist groß!

Und es fängt mit einer echt schlechten Nachricht an. Der Anteil derer, die den Stellenwert von Marktforschung beim Marketing im Vergleich zu vor 5 Jahren als schrumpfend beurteilen, hat sich um 20%-Punkte erhöht. Und dass in einer Frist von 6 Monaten. Es sind nur noch knapp die Hälfte der beteiligten Experten, die der Marktforschung einen steigenden oder zumindest konstanten Stellenwert zuschreiben.

Woher dieser Pessimismus kommt, ist nicht ganz klar. Die Krise war zur Erhebungszeit noch spürbarer als heute, das mag einen Einfluss haben. Aber so krass? Ich weiß nicht…
Was also kann noch dafür verantwortlich sein, dass das Standing und der Respekt gegenüber Marktforschung so gelitten hat?

Woher kommt der Pessimismus?

Der Grund für diese Wahrnehmung kann eigentlich nur in einem erlebten Qualitätsverlust zu suchen sein. Hier weisen die Autoren auf die Unvereinbarkeit von “billig”, “schnell” und “hochwertig” hin. Da ist sicher einiges dran.
Wir alle kennen das, dass man – egal ob intern oder extern – immer schneller und vor allem zu immer weniger Kosten Ergebnisse liefern muss.

Falscher Ansatz.

Wenn wir das mit uns machen lassen, dann ist eine so pessimistische Wahrnehmung der Wertigkeit unserer Arbeit kein Wunder. Wir müssen Argumente dafür finden und formulieren, dass dies ein falscher Weg ist.

Natürlich ist das schwer, denn die Gefahr, dass der Kunde an der nächsten Ecke jemanden findet, der es so schnell und so billig wie gewünscht macht, ist sehr groß. Und ganz ehrlich, es treiben sich genügend Player im Markt herum, die genau hier ansetzen, auch wenn das keiner hören will.

Wie also können wir argumentieren? Welche Argumente finden wir dafür, dass das der falsche Ansatz ist? Ein großes Feld, in dem eine Reihe von Antworten liegen, heißt “Beratung”.

Beratung muss wieder groß geschrieben werden

Kunden wollen, dass wir schnell und günstig sind, aber sie wollen auch, dass wir sie verstehen (Platz 1 bei der Wichtigkeitsabfrage in der Studie, egal ob qualitativ oder quantitativ). Und dass sollten wir ernst nehmen. Beratung fängt an beim Verstehen der Anforderungen und endet bei der Implementierung der Ergebnisse in die Unternehmensprozesse.

Zwei von drei Befragten der GreenBook Studie stimmen zu (Top Two auf der 7er Skala), dass Kunden heute weniger in der Lage sind, zwischen high-quality Marktforschung und mittelmäßiger Marktforschung zu unterscheiden.

Je mehr wir versuchen die Bedürfnisse zu verstehen und je weniger wir gleichzeitig versuchen unsere Tools zu vertreiben, desto besser ist unser Output. Und je besser unser Output ist, desto höher ist die Chance, dass wir nach der Studie mit am Tisch sitzen bleiben und implementieren.

Wenn wir es schaffen, dass Qualität gegenüber Geschwindigkeit wieder an Wichtigkeit gewinnt, dann sind wir auf dem richtigen Weg. Dafür müssen wir uns jedoch strecken. Aber das sollte es uns wert sein.

Denn es muss uns und unseren Kunden wieder leichter fallen zwischen high-quality Marktforschung und mittelmäßiger Marktforschung besser unterscheiden zu können. Anderenfalls werden wir zum operativen Anhängsel, handwerklich austauschbar und ohne echte Relevanz…

Wie man mit Leidenschaft und Relevanz berät?
Schaut selbst…

Wieviel “Sascha Lobo” verträgt die Marktforschung?

Donnerstag, April 28th, 2011

Ich muss sagen, dass mich das beeindruckt hat, zum wiederholten Mal. Und ich kann zuerst auch gar nicht sagen, was mir genau daran gefallen hat. Aber zum Glück bin ich dann doch noch drauf gekommen…

Da ist jemand, über den schon viel geschrieben wurde, und der auch gerne und viel über sich selbst schreibt (und vor allem redet), und der bewegt scheinbar etwas.
Ich war am vergangenen Mittwoch in Hamburg auf der Veranstaltung mediacoffee von der news aktuell GmbH. Thema war “Expedition ins Ungewisse: Welche neue Medienwelt entdecken Verlage, Web und Social Media?”.
Die Veranstaltung war nicht der Rede wert (zum Medienecho geht es hier, hier
und hier lang…), aber ich habe das erste Mal Sascha Lobo länger als 5 Minuten bzw. 140 Zeichen erlebt. Und das zumindest hat sich fast gelohnt.
(Komplett gestreamte Veranstaltung hier, für diejenigen mit mehr Zeit).

Was mir besonders gefällt, ist die Rolle, die er oftmals einnimmt, Provokateur könnte man das nennen, oder positiver ausgedrückt, Herausforderer. Durch die Art und Weise der Argumentation, spitzfindig in der Wortfindung und pointiert in der Auseinandersetzung macht es in erster Linie die Mischung aus was er sagt und wie er es sagt. Dieses relativ aktuelle Video kann von mir aus mal als Beweis dienen…

Aber auch inhaltlich finde ich diese 44 Sekunden interessant. Da stellt sich einer hin und verpasst der gesamten Bloggeria eine schöne Abreibung. Und nicht, dass ihm das irgendwie schadet, nein, es gehört zu seiner stringenten Inszenierung als – wenn man so will – Eigen-Marke. Ich erinnere mich noch an die Zeit, als die Dmexco noch OMD hieß, und kein Marktforschung-Institut ausgestellt hat. Da lief er dann rum und hat sich aufs Übelste beschwert, dass er nicht verstanden wird und die gesamte Branche in eine Sackgasse fährt. Mit manchem hat er Recht behalten, mit manchem auch nicht, klar.

Ist so was gut? Ich denke ja! Und ich denke auch, dass jede Branche seinen Sascha Lobo verdient hätte, positiv gemeint. Jemand der den Status Quo herausfordert, sich dabei manchmal zu weit aus dem Fenster lehnt aber vor allem zum Nachdenken und zur Veränderung anregt.

Haben wir, als Marktforschungs-Branche auch einen solchen Provokateur bzw. Herausforderer? Ich sehe keinen.

Aber ich finde, dass es mal Zeit für einen wäre; einen, der den nächsten Kongress rockt. Oder der auf einem anderen Branchentreff aufs Deutlichste klar macht, dass wir (auch) für die Produktion von Inhalten verantwortlich sind, die es unseren Kunden ermöglicht ihre Organisation so zu verändern oder anzupassen, dass sie mit neuem Verbraucherverhalten umgehen können.

Dazu gehören neue Methoden, neu Erhebungsformen, neue Präsentationen, neue Ergebnislieferungen, neue Arten sich selbst als Marktforschung zu verstehen. Wenn das nicht passiert, wird die Rolle von Marktforschung immer stärker ausschließlich operativ bleiben.

Die 10 Thesen beim BVM Kongress in Bonn waren schon mal für Marktforschungs-Verhältnisse ein mutiger Vorstoß. Leider hat das aus unterschiedlichen Gründen nicht so geklappt.

Olympiamilano in der Top Ten

Freitag, Januar 7th, 2011

Eher aus einer Laune heraus, dass die Diskussion über die Herausforderungen an die Marktforschung in Deutschland nicht so recht vorwärts kommt, habe ich eine “Prediciton” für 2011 gemacht. (Stimmt nur halb. in Wirklichkeit schlummert seit Wochen ein Blogpost in meinem Kopf zu dem Thema, der endlich mal geschrieben werden muss).

So, 748 Votes später, ist meine Prediciton in den famosen Top Ten gelandet:

Scheint also nicht so falsch zu sein…

Market Research Predictions Site

Montag, Dezember 20th, 2010

Eigentlich eine gute Sache, und passt auch gut in den Dezember.

Was ist denn Eurer Market Research Predicition 2011?
Gerne hier in dei Kommentare oder direkt bei der Market Research Predictions Site (Registrierung erforderlich).

Meine ist übrigens diese hier: “Without positioning MR will be lost in the marketing shark tank – Marketing agencies, advertising agencies and consultancies will gain an even bigger slice of the market research cake…”

Contextual Insights via Facebook?

Dienstag, November 2nd, 2010

Auf der Research & Results Messe in München war selbstverständlich auch das Thema Social Media Research sehr präsent. Es wurden viele Argumente ausgetauscht und es scheint so etwas wie einen “common sense” zu geben, was derzeit geht, und was eben (noch) nicht geht.

Aber darum geht es jetzt hier nicht, dazu in einem anderen Beitrag später mal mehr.

Ich möchte hier nur zwei Gedanken zusammentragen.

Zum einen nochmal der Hinweis auf den schönen TED-Beitrag von David McCandless zur Aufbereitung von Informationen.

Und zum anderen ist ein gerade auch nach der Messe weiterhin aktuelles Thema interessant. Im Foyer für engagierte Marktforschung wurden vor ein paar Wochen die Gedanken zu “Contextual Insights” von Bruce Temkin diskutiert.

Aus der Kombination der beiden kann dann sowas dabei herauskommen:

Hier wurden über 10.000 Facebook-Statusmeldungen, in denen Personen mitgeteilt haben, dass sie sich getrennt haben.

Klar fehlen jetzt hier die echten “contextual insights”, denn die Daten verraten nur das “Wann” und nicht das “Warum”. Aber als Startpunkt für die Analyse und als Pool für die Hypothesenbildung durchaus interessant.

Bleibt einzig die Frage, ob damit allgemein jetzt schon das Ende der Fahnenstange erreicht ist?
Wenn ja, dann ist das eine schöne Darstellung von inhaltsanalytisch hervorgebrachten Ergebnissen.
Dann wäre ein großer Vorteil an der ganzen Geschichte, dass der Zugang zu Inhalten im web 2.0 schlichtweg einfacher geworden ist…

BVM Kongress in Bonn – Licht und Schatten

Donnerstag, Juni 24th, 2010

Vom 17. – 18. Juni fand in Bonn der mittlerweile 45. Kongress der Deutschen Marktforschung statt. Ich fand in der Vorankündigung das Thema “Open Innovation, Co-Creation und Crowdsourcing” interessant und habe mir einiges versprochen, daher bin ich da hin gefahren.

Ich will hier jetzt nicht die einzelnen Beiträge zusammenfassen oder kommentieren, das passiert sicher noch ausgiebig in den nächsten Ausgaben der einschlägigen Printtitel.
Ich möchte vielmehr die für mich wichtigsten Learnings teilen, die im Zusammenhang mit den Herausforderungen an eine zeitgemäße Konsumenten- und Marktforschung stehen (ist ja irgendwie das Thema dieses Blogs).

Wie schon bei der GOR10 kam für mich das Beste nicht zum Schluss sondern am Anfang, mit der Positionsbestimmung der Branche. Weniger der Austausch von mehr oder weniger neuen Methoden oder Case Studies zum Thema Co-Creation sondern Hinweise auf ein neues, verändertes Rollenbild der Marktforschung standen hier im Vordergrund. Professor Dr. Hans-Willi Schroiff hat dies aus Sicht der Unternehmensmarktforschung beschrieben und Dr. Michael Bartl hatte in diesem Zusammenhang ein interessantes Chart aus Dienstleistersicht dabei.

Einer der Quintessenzen war sinngemäß die Aussage, dass wir mehr machen werden müssen. Dahinter verbirgt sich die (gar nicht so neue) Anforderung, dass Marktforschung sich zunehmend vom Geschäft der klassischen Datenerhebung weiterentwickelt und die Informationsvielfalt, hervorgebracht durch neue Technologie, mit in die tägliche Arbeit aufnimmt. Wie das gehen kann, wurde dann im zweiten Vortrag sowie in den vielen Case Studies gezeigt.

Aber was ich viel wichtiger fand war die Aussage, dass sich durch diese Entwicklung hin zum “mehr machen” die Positionierung verändert. Früher war klar, dass Befragungen, Beobachtungen, Explorationen oder sonstige Erhebungen eindeutig von der Marktforschung durchgeführt werden. Klare Aufgaben, klare Kompetenzen.

Das ist nun anders, wenn man das “Mehrmachen” ernst nimmt. Denn für ethnografische Studien, Co-Creation Prozesse, Crowdsourcing Ansätze etc. pp. ist nicht per se die Marktforschung verantwortlich. Mehr oder weniger zufällig kann die Marktforschung hier im Lead sein, muss sie aber nicht. Marketing, R&D, Customer Service, … sind aufgrund der Technologie ebenfalls in der Lage solche Prozesse durchzuführen.
Hier liegt m.E. eine der größten Herausforderungen.

Das bedeutet erstens, dass die Gefahr steigt, für neue Ansätze nicht mehr “automatisch” Ansprechpartner Nr.1 zu sein. Diese Position ist nicht für die Marktforschung aufgrud ihrer Historie reserviert.
Und das bedeutet zweitens, dass der Wettbewerb mit anderen internen Abteilungen oder Dienstleistern (Beratungen, Werbeagenturen, Technologie-Dienstleister, Marketing-Spezialisten, …) hier enorm zunehmen wird. Es kommt zum Kompetenzgerangel.

Wie kommen wir da raus bzw. weiter?

Für mich liegt die Sache auf der Hand. Ohne Beratungskompetenz und ganzheitliches Verständnis der Anwendungskontexte unserer Arbeit beim Kunden wird die Sache schwierig, denn das “Hoheitswissen wissenschaftliche Methode” gibt es nicht mehr zu 100% und ein darauf beruhender USP ist nicht mehr zu 100% relevant.

Ähnliches ist ja auch in den 10 Thesen von Jörg Blumtritt und Dr. Benedikt Köhler angeklungen. Abgesehen davon, dass das angekündigte “Streitgespräch” keines war und die Argumente reichlich aneinander vorbeiflogen (woran das lag, dazu mal später mehr), hier mal beispielhaft zwei Reaktionen vom Podium, wie sie unterschiedlicher nicht sein konnten.

Matthias Fargel sprach da in einem anderen Zusammenhang von zwei Beispielen, in der die zentrale betriebliche Marktforschung aufgelöst und die Marktforscher in die Produktbereiche eingegliedert wurden.

Ja, das ist ein Weg, und das verstehe ich auch unter “Verständnis für die Anwendungskontexte der Kunden”.
So ist es möglich die Bedarfe genauer zu erfassen, bessere Briefings und Re-Briefings zu bekommen und zu geben. So können wir auch strategischere Fragen stellen und unser Know How aktiver einbringen. Und so ist es auch möglich die Beraterrolle besser anzunehmen. Ich verweise gerne nochmal auf die Boston Consulting Studie zu dem Thema, die ich hier schon mal besprochen habe.

Kein Verständnis hatte ich hingegen für die Äußerung von Dr. Raimund Wildner, der sagte Beratung gehöre nicht zu den Aufgaben der Marktforschung, es gehe lediglich um die Beantwortung von Fragen. Das finde ich sehr konservativ und wird den neuen Herausforderungen nicht gerecht.

Am Ende waren sich alle einig, dass durch die neuen Forschungs- und Methoden-Ansätze neue Aufgaben auf die Marktforschung zukommen. Das stimmt sicher. Aber ein Verharren im grundsätzlichen Verhalten, das jetzt nur auf neue Ansätze portiert wird, ist sicher nicht die Zukunft der Zunft. Auch reicht ein „tradigitaler Methodenmix“ alleine nicht aus.

Und so wurde die Chance ein bisschen vertan grundsätzlich über die Rolle, Positionierung und das Markenbild der Marktforschung zu diskutieren. Aber vielleicht ist das ja auch zu viel verlangt.

Oder aber es war der falsche Kongress…


Alles Bilder via BVM, www.bvm.org

Was den Marktforschern die PR-Studie ist…

Mittwoch, Mai 26th, 2010

… ist den NextGen Marktforschern die traditionelle MaFo.

Ein Fünftel der Deutschen würde ein Lebensjahr gegen eine Million Euro tauschen

Stuttgart (ots) – Jeder Fünfte in Deutschland wäre bereit, ein Lebensjahr zu opfern, wenn er dafür im Gegenzug eine Million Euro erhalten würde. Das ergab eine repräsentative Umfrage für das Magazin Reader’s Digest. Wie das Meinungsforschungsinstitut Emnid unter 1.002 Personen herausfand, ist die Bereitschaft für dieses “Geschäft” umso größer, je jünger die Befragten sind. So gaben 29 Prozent der 14- bis 29-Jährigen an, sie würden ein Lebensjahr für den Reichtum hergeben. Bei den 40- bis 49-Jährigen wären nur 24 Prozent bereit, bei den 50- bis 59-Jährigen allenfalls noch 13 Prozent.. usw. usw. usw.

Ach, ich liebe und hasse diese PR Studien in gleichem Maße.

Einerseits ist die Wirkung unbestritten (das liegt an der Einfachheit der Ergebnisse), andererseits ist die Erkenntnistiefe flach.
So ist es kein Wunder, dass Mängel über fehlende weitergehenden Analysen oder anderslautende Schlüsse oder Interpretationsmöglichkeiten gerade aus dem Lager der traditionellen MaFo schnell festgestellt werden.

PR Studien sind eben keine MaFo.

Doch so kritisch wie die traditionelle MaFo die PR-Sutdien betrachtet so kritisch werden sie mittlerweile selber beobachtet. Fragen nach Sinn und Unsinn von Ergebnissen und Methoden tauchen auf, grundlegende Annahmen werden in Frage gestellt und alternative Wege zur Strukturierung der Lebenswirklichkeit von Individuen und Organisationen (probeweise) beschritten.

Scheint mir, als kommt es mal wieder auf die Perspektive an…