Christian Dössel

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Olympiamilano – Herausforderungen an zeitgemäße Marktforschung

Archive for the ‘Merger’ Category

Make or Buy – Kompetenz durch Zukauf? Wer kauft wen?

Mittwoch, Mai 25th, 2011

Die letzten Wochen und Monate waren gespickt von der einen oder anderen Firmenübernahme. Und auch unsere Branche ist nicht untätig, was das angeht. Ich kenne mich mit solchen Dingen zwar nicht aus, dennoch glaube ich dass es grundsätzlich zwei Motive gibt, die Firmen dazu antreibt andere Firmen zu kaufen.

Hinter allen den Motiven steht – wie sollte es auch anders sein – Gewinnmaximierung durch Wachstum.

  1. Zukauf von Zugang zu… ja, zu was eigentlich. Also auf jeden Fall Zugang zu Kunden, denn die Erlöse aus bestehenden Aufträge und Beziehungen wandern in das eigene Geldsäckchen. Dann aber auch Zugang zu Tools und Produkten, die für die weitere Wertschöpfung eingesetzt werden.
  2. Zukauf von Kompetenz: Statt oder zusätzlich zu Investitionen in die Aus- oder Weiterbildung der bestehenden Belegschaft wird durch eine Übernahme Kompetenz eingekauft. Das geht schneller, verspricht einen schnelleren ROI und erspart das kontinuierliche Abwerben einzelner Kompetenzträger. Sonst übliche Schwierigkeiten mit der Integration einzelner Spitzenleuten bzw. –teams entstehen (erstmal) nicht, -Kulturveränderungsprozesse und die üblichen Kämpfe und Befindlichkeiten sind auf kurze Sicht ebenfalls nicht zu befürchten.
  3. Daneben gibt es sicher hier und da einzelne Überlegungen wie Standortvorteile, Steuerüberlegungen etc. pp.

Ich frage mich trotzdem oder deswegen immer, was der Käufer mit dem Kauf genau bezweckt. Das habe ich mich schon damals gefragt bei TNS und Infratest. Was war das Ziel? Und vor allem: was hat das für Konsequenzen, für den Markt, für die Positionierung (und manchmal auch für die Mitarbeiter. Ich habe zwar keine Informationen, aber ich wäre nicht überrascht, wenn der TNS-Standort Bielefeld bald das Licht ausmacht).

Also, was gibt es zu berichten?
Im Grunde sind es drei Übernahmen, die ich mir mal rausgesucht habe.

Überstrahlt wurde alles m.E. von der Übernahme von Scholz&Friends, bzw. deren Holding Commarco durch WPP. WPP, vor kurzem das erste Mal an der Spitze der Welt und damit an Omnicom vorbei, zahlt je nach Quelle zwischen 150 und 200 Millionen. Der Benefit für S&F bleibt erstmal noch schwammig, F.M. Schmidt, Co-CEO Commarco:

„… öffnet der Eintritt in die WPP-Welt die Türen für das nächste Level unserer Unternehmensentwicklung. Durch die Verbindung mit WPP […], ergibt sich ein neues Universum internationaler Möglichkeiten sowohl für unsere Kunden als auch für unsere Leistungsträger.“

Und dann gab es da noch die Nachricht, dass YouGov das Beratungsunternehmen Definite Insights übernimmt.

Dieses Mal geht es umgekehrt.
Die MaFo selber holt sich Kompetenz in einem Feld, das sie dringend benötigt und kauft neben Feld und Panel und was man sonst noch so braucht, echte Strategie dazu. Das finde ich sehr interessant. Denn hier sind wir nicht die, die gekauft werden sondern wir kaufen selber. Die Motive sind die gleichen, klar. Bevor man sich das Know-How aufbaut und die entsprechenden Leute über Jahre trainiert und „erzieht“, kauft man lieber dazu. Eine sehr gute Wahl, wie ich finde.

Dass dies aber lediglich die Ausnahme bleibt, zeigt Beispiel 3.
100 Mill $ lässt sich die Omnicom Gruppe im Februar 2011 die Firma Communispace kosten. (Im gleichen Atemzug wurde auch vermeldet, dass Omnicom die Firma The Modellers gekauft hat. )

Communispace macht Online Research Communities, als einer der Ersten und – wie man hört – als einer der Besten. Es scheint also was dran zu sein, dass es in mehrfacher Hinsicht wichtig sein kann, eine Beziehung zu den Kunden auch über Research aufzunehmen. Und natürlich hat das Thema Online Research Community damit auch einen längst fälligen Ritterschlag erhalten.

Es bedeutet aber auch, dass immer mehr MaFo-Anbieter, egal welche Ausrichtung, unter die Dächer der großen Holdings schlüpfen.

Wenn ich mir so den einen oder anderen Player anschaue, dann wird das sicher so weiter gehen, da bin ich mir sicher. Der Preis muss stimmen und die Kompetenz auch.

Watch out you smart guys. I’m sure they are also discovering the opportunities of an acquisition :-)

Neues Berufsbild für Marktforscher?

Donnerstag, Januar 28th, 2010

Schon in einem meiner letzten Beiträge habe ich mehr oder weniger spekulativ zwischen den Zeiten der Pressemitteilung von TNS vermutet, dass der geplante Stellenabbau nur in geringfügigem Maße auf die Folgen der Übernahme durch WPP zurückzuführen ist. Ich habe auch vermutet, dass die Finanz- und Wirtschaftskrise nur teilweise dafür verantwortlich ist.

Diese Überlegungen erhalten nun neue Argumente durch das Interview mit Herrn Scheffler auf marktforschung.de.

Ich finde es extrem interessant, dass anscheinend die Grundprobleme der klassischen Marktforschung nun aktiv angegangen werden. Und genau das meinte ich, als ich hier sagte, dass es nicht mehr ausreicht aktuellen Phänomenen nur aus Erhebungssicht zu begegnen. Das ist einer der Gründe, warum „insbesondere bei kleinen, in Wachstumsnischen platzierten Unternehmen […] diese positive Wende eintreten wird“, wie es im Interview mit Herrn Scheffler zu lesen ist.

Ich stimme zu, dass hierbei die Onlineforschung und auch die qualitative Forschung an Bedeutung zunehmen werden. Dabei wird es aber nicht bleiben. Ebenfalls zunehmen wird eine zunehmende Gewichtung von Beratung. Wenn zunehmend Geschäft im Bereich der Erhebung webbricht, auch weil „einige der aktuellen Aufgaben der Marktforschungsinstitute […] in den Unternehmen selbst durchgeführt“ werden, dann ist es nur konsequent, dass die Bedeutungszuweisung von Daten, Ergebnissen und Befunden wichtiger wird, auch wirtschaftlich und auch für die großen Institute.

Das reine Liefern von Daten ist seit langem nicht mehr wertschöpfend genug. Nun geht es auch bei den großen Instituten darum Kompetenzen in der Implementierung von Daten aufzubauen. So entstehen Chancen einen in doppelter Hinsicht wertvollen Leistungsbereich von dem lange Jahre dominierenden Feld der Erhebung abzukoppeln. Das macht Sinn. Und das haben auch Spezialisten im Bereich Research Consulting (und da zähle ich mich mal ganz unbescheiden zu) schon länger erkannt.

Es scheint so, dass die neuen Anforderungen an die Markt- und Konsumentenforschung (das Thema meines Blog ;-) ) anfangen Eingang in die Denke und nun auch in das Handeln zumindest eines großen Instituts zu finden.

Und das muss man grundsätzlich erst mal begrüßen.

INTEGRAL, Sinus, Millward Brown…

Mittwoch, September 9th, 2009

Ich muss sagen, dass ich selten ein so nichtssagendes Interview gesehen habe.

Was erfahren wir eigentlich.

  1. Integral hat die Mehrheit an Sinus übernommen (das steht ja schon im Text)
  2. Sinus bleibt als Marke erhalten (Investitionen in die Vermarktung von INTEGRAL-Mileus wären auch echt schmerzhaft…)
  3. Milieus können “… den Integrationsfaktor von zwei unterschiedlichen Befragungen darstellen” (hä?)

Viel interessanter wären für mich allerdings Fragen nach der Aktualität von Milieuforschung gewesen. Ob man immer noch guten Gewissens 80 Mio. Deutsche in ein, zwei Handvoll Milieus packen kann und wie sich die zunehmende Ausgestaltung von Stilvorlieben und Konnektivität im sogenannten social web auf die Milieu-Forschung auswirkt.

So ein dicker Fisch kann ja Sinus nicht mehr gewesen sein, sonst wäre ja andere potenzielle Kauf-Kandidaten gewesen. Dann war die Milieu-Forschung auch nicht mehr so einträglich wie früher einmal.

Interessant auch, ob jetzt Millward Brown auch Kooperationpartner von Sinus ist und wir in Zukunft Marken- und Kommunikationsforschung à la Millward Brown in den Zusammenhang mit Sinus-Mileus stellen können (warum auch immer man das denn wollen sollte…)

Frage: Braucht man dazu echt ein Video-Interview? Ist das nicht irgendwie zu gewollt? Kommt bei mir zumindest so an. Schade, dass so wenig wirklich gesagt wurde, denn eigentlich ist der Merger interessant.

Ach ja, hängen geblieben ist auch: Waterman Agens ist eine Transaktionsberatungsfirma mit Sitz in Hamburg